September 28, 2018

Französischer Klangrausch mit vielen Raritäten

Er war noch ein Zeitgenosse von Saint-Saëns und Ravel, von Anfang an faszinierte den geborenen Elsässer Charles Münch, der sich in seiner westlichen Wahlheimat »Munch« nannte, das französische Repertoire. Und auch als der Dirigent 1949 Chef des Boston Symphony Orchestra wurde, entwickelte er dessen Sound aus den französischen Klangtraditionen heraus, als deren Erbe er in Europa galt. Im November 2018 jährt sich der Todestag des Dirigenten Charles Munch zum 50. Mal — Anlass für eine große diskografische Edition mit dessen gesamten Warner-Einspielungen in modernem Remastering, inklusive einer Fülle von Raritäten.

Die hier dokumentierte Ära spannt sich von 1935 bis zum Todesjahr 1968 und deckt damit Charles Munchs gesamte Karriere ab. Ursprünglich als Violinist ausgebildet, nahm er nach seiner Verpflichtung im Ersten Weltkrieg und seinen Jahren als Konzertmeister des Gewandhausorchesters intensiven Dirigierunterricht, der in den Dreißigerjahren erste Früchte zu tragen begann. Besondere Bedeutung erhielt Munch als Mitbegründer des Orchestre de Paris, mit dem er wenige Tage vor dessen erstem Konzert überhaupt Berlioz‘ Symphonie fantastique aufnahm – ein herausragendes Dokument für Munchs meisterhafte Beherrschung der französischen Schule, die er neben Kompositionen von Beethoven, Bach, Tschaikowsky, Mozart oder Brahms unter anderem mit Werken von Ravel oder Saint-Saëns bewies. Neben dem Orchestre de Paris ist der Dirigent in der Jubiläumsedition vor allem mit dem Orchestre de la Société des Concerts du Conservatoire vertreten, dessen Direktorenposten er 1938 übernahm – Beginn auch einer Phase, in der er sich gegen die deutsche Besatzung stellte und die Résistance unterstützte. Weitere Höhepunkte der Aufnahmen sind Interpretationen modernerer Zeitgenossen wie Dutilleux, Honegger, Roussel und Bloch und die Zusammenarbeit mit Solisten wie Alfred Cortot, Joseph Szigeti, Jacques Thibaut oder Marguerite Long.